Internationaler Tag der Vermissten am 30. August
Warum Menschen den Suchdienst brauchen + Aktueller Erfolgsfall in Hessen
Wiesbaden/Hessen - Weltweit werden mehr als 200.000 Menschen infolge bewaffneter Konflikte oder Katastrophen von ihren Angehörigen vermisst. Doch auch unabhängig von Krieg, Flucht oder Katastrophen kann der Kontakt zu einem Familienmitglied plötzlich abbrechen.
Aktueller Erfolgsfall in Hessen
Wie belastend diese Ungewissheit ist und wie der DRK-Suchdienst helfen kann, zeigt beispielhaft dieser Fall aus Hessen:
Jeden Sonntag telefonierten die Geschwister miteinander. Zwischen dem Zuhause der Schwester in den USA und dem ihres über 80-jährigen Bruders in Deutschland lagen Tausende Kilometer. Durch ihre regelmäßigen Gespräche und die Karten zu Weihnachten und anderen besonderen Anlässen blieben sie einander dennoch nah.
Dann herrschte plötzlich Stille. Seit 2024 kamen keine Anrufe und keine Karten mehr. Die Schwester und ihr Sohn versuchten immer wieder, den Mann zu erreichen – vergeblich. Aus Sorge wandten sie sich an das Amerikanische Rote Kreuz. Die Anfrage wurde anschließend an den DRK-Suchdienst in Deutschland weitergeleitet.
Nach zwei erfolglosen Besuchen an seiner letzten bekannten Anschrift führte die Suche schließlich zu seinem rechtlichen Betreuer. So konnte der Mann in einer Pflegeeinrichtung gefunden und persönlich besucht werden. Er war gesundheitlich angeschlagen und zuvor wiederholt im Krankenhaus behandelt worden.
Als er erfuhr, dass seine Familie nach ihm suchte, wollte er den Kontakt wieder aufnehmen. Er erhielt die Rotkreuznachricht und die Telefonnummer seiner Schwester. Mit seinem Einverständnis wurde auch seine Telefonnummer an sie übermittelt. Inzwischen stehen die Geschwister wieder miteinander in Kontakt. Aus der langen Ungewissheit wurde endlich Gewissheit.
Der Fall zeigt, dass der DRK-Suchdienst nicht nur Menschen sucht, die infolge von Kriegen, Konflikten oder Katastrophen vermisst werden. Er unterstützt auch Familien, die nach einem Kontaktabbruch Gewissheit über das Wohlergehen ihrer Angehörigen benötigen.
Zahlen in Hessen
Im Jahr 2025 wurden in Hessen 1.447 Beratungskontakte dokumentiert: 798 in der Internationalen Suche, 564 in der Familienzusammenführung und 85 in der Schicksalsklärung zum Zweiten Weltkrieg. Da ein Fall mehrere Kontakte umfassen kann, entspricht diese Zahl zwar nicht der Anzahl einzelner Fälle, verdeutlicht jedoch den hohen Bearbeitungsaufwand.
Internationale Suche
Im Bereich der Internationalen Suche hat der DRK-Suchdienst im letzten Jahr 1.841 vermisste Angehörige neu registriert. Im ersten Halbjahr 2026 waren es 786 neu registrierte Vermisste. Die Hauptherkunftsländer der Suchenden waren Afghanistan, die Ukraine, Somalia, Syrien und Irak. Der Hintergrund ist, dass Schutzsuchende aus von Krisen und bewaffneten Konflikten betroffenen Ländern auf ihren Fluchtwegen häufig den Kontakt zu ihren Familien verlieren.
Der DRK-Suchdienst führte im letzten Jahr bundesweit 18.155 qualifizierte Beratungen zu den rechtlichen Voraussetzungen und der praktischen Durchführung des Spätaussiedler-Aufnahmeverfahrens sowie zur Familienzusammenführung Schutzberechtigter durch.
Weitere Informationen zur Suchdienstarbeit sowie Online-Formulare für Suchanfragen finden Sie unter: www.drk-suchdienst.de